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Ein Schwarz-Weiß-Foto einer Gruppe von Feuerwehrleuten in Uniform, die vor einem Gebäude mit Flaggen und Bäumen im Hintergrund stehen.

Geschichte der FF Schrattenberg

Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Schrattenberg

Es erscheint uns heute im Hinblick auf die häufig aufgetretenen Brandkatastrophen unverständlich, dass es erst so spät zu organisierter Brandbekämpfung, selbst in den Städten gekommen ist, wo wegen der engen Verbauung die Gefahr von Großbränden noch wesentlich größer war als in den Dörfern. Hier gab es doch regelmäßig größere baufreie Räume zwischen den einzelnen Häusern, die sogenannten „Reichen“, die einen gewissen Schutz gegen das Übergreifen des Feuers bildeten.

So fielen in Schrattenberg noch im Jahre 1854 mehr als 40 Häuser einem Brand zum Opfer.

1817 vernichtete ein Schadenfeuer Teile des Ortes. Und wenn auch für weiter zurückliegende Zeiten die Mitteilungen in der Chronik immer spärlicher werden, so ist sicher, dass es derart verheerende Brände immer wieder gegeben hat.

Bis ins 19. Jahrhundert standen kaum technische Hilfsmittel zur Verfügung, die eine effektvolle Brandbekämpfung möglich gemacht hätten. Auch das feudale Herrschafts- und Wirtschaftssystem und die polizeistaatliche Ordnung verhinderten das Entstehen von Feuerwehren.

Als aber diese Schranken gegen die Gründung von Vereinen gefallen war, fanden sich auch bald in Schrattenberg tatkräftige Männer, die sehr rasch einen Feuerwehrverein als eigenständige Selbsthilfeorganisation ins Leben gerufen haben.

Am 15. Mai 1887 fand laut Protokollbuch „ in Anwesenheit sämtlicher Mitglieder die konstituierende Versammlung der Feuerwehr“ statt, in welcher die Statuten beschlossen, und die Wahl der Chargen vorgenommen wurde.

Als Verein hatte dieser selbst für die Finanzierung seines Bedarfes zu sorgen. So waren etwa die Kosten der Uniform von jedem Mitglied selbst zu tragen und ein monatlicher Mitgliedsbeitrag zu entrichten.

Der Ausschuss sorgte von Anfang an für einen lebhaften Schulungs- und Übungsbetrieb. Obwohl ein Verstoß gegen die Vereinspflichten mit Ausschluss geahndet und bei der Neuaufnahme der Mitglieder eine gewisse Auswahl beachtet wurde, konnte ein Stand von ca. 50 ausübenden Mitgliedern ständig gehalten werden. Eine größere Zahl dürfte zunächst auch gar nicht angestrebt worden sein.

Die Ausrüstung war fürs erste eher bescheiden. Sie beschränkte sich auf das zur Uniform gehörige „Feuerwehrhackl“, langstielige Feuerhaken, Leitern, Löscheimer und Schutzschwämme.

Schon in dem der Gründung folgenden Jahr wurde eine fahrbare Spritze mit entsprechendem Schlauchmaterial angekauft. Diese Anschaffung belastete die Feuerwehr auf Jahre hinaus. Die wichtigste Einnahmequelle bildete die Mostsammlung, die an die 30 Eimer pro Jahr ergab und einen Erlös von 200 bis 300 Gulden brachte.

Fallweise kamen größere Spenden vom Kaiser und vom Fürsten Liechtenstein.

Die Leistung der Gemeinde, die nur über geringe Einnahmen verfügte, beschränkte sich auf die Beistellung eines Geräteunterstandes im Viehhirtengebäude. 1895 wagte die Freiwillige Feuerwehr Schrattenberg trotz der ständigen Geldsorgen die Anschaffung eines Mannschaftswagens samt „Unionspritze“, dem damaligen Standardgerät für Landfeuerwehren. Kleinere Ausrüstungsgegenstände wurden laufend angekauft und die gesamte Mannschaft mit den zwar teuren, aber schmucken Lodenuniformen eingekleidet.

Der Umstand, dass in der Feuerwehr angesehene Persönlichkeiten des Ortes, allen voran der Bürgermeister, sowie tatkräftige junge Lehrer und leistungsbereite Männer und Burschen Dienst taten, hatte nicht nur das Ansehen der Wehr stark gehoben, sondern auch das Selbstbewusstsein und den Optimismus ihrer Mitglieder gestärkt.

So beschloss die Vereinsleitung bereits 1904 den Bau eines neuen, eigenen Zeughauses. Sie leiteten die Vorbereitungen rasch ein und betrieb dessen zügige Herstellung, obwohl noch ein Schuldenstand von ca. 2000 Kronen, was dem Verkaufswert von 3000 bis 4000 Liter Wein entsprach, bestand. Die ordentlichen Jahreseinnahmen lagen bei circa 1000 Kronen. Bereits im Jahre 1905 war das Zeughaus, das der Wehr bis 1986 diente, fertig gestellt.

Hohe persönliche Anforderungen wurden an die Männer während des Krieges gestellt, zumal 36 ihrer Mitglieder, also mehr als die Hälfte an der Front standen. 1920 konnte der letzte Rest der Schulden abgestattet werden. Die dem Krieg folgende Geldentwertung machte bare Materialanschaffungen nahezu unmöglich. Trotzdem entschloss sich der Ausschuss im Jahre 1924 zum Ankauf des schon dringend erforderlich gewordenen Hydrophors unter Aufnahme eines Darlehens von 3 Millionen Kronen, bei dessen Rückzahlungen und Abstattung der hohen Kreditzinsen, die inzwischen schlagend gewordene Inflation, der Wehr zu Hilfe kam. Das Hydrophor war ein Feuerlöschgerät, das mit Schläuchen Wasser ansaugt und als Zubringer für Feuerspritzen diente.

Im Jahre 1925 verfügte die Wehr über Einnahmen von 10 Millionen Kronen, deren Wert aber zu Jahresende gleich Null war. Nach Einführung der Schillingwährung lag der Jahresumsatz bei ca. 2000 Schilling.

Die Ausstattung mit Großgeräten genügte im Wesentlichen bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Immerhin verfügte die Wehr über Schlauchmaterial von 700m. Die kommende Mechanisierung kündigt sich allerdings schon während des Krieges an und es wurde eine Motorspritze in Dienst gestellt.

Bei der ersten Ausschusssitzung nach dem Abklingen der ärgsten Nachkriegswirren am 6.1.1946 musste festgestellt werden, dass fast alles Gerät zum Teil schwer beschädigt war. Die Instandsetzung konnte, wenn auch nur unter größten Schwierigkeiten, rasch bewirkt werden. Der kriegsbedingt abgesunkene Personalstand konnte bis 1951 auf 45 ausübende und 18 Mitglieder der Schutzmannschaft aufgestockt werden. Gleichzeitig begann die kursmäßige Ausbildung und die notwendig gewordene Neueinkleidung.

Immer größere Sorge bereitete die Bereitstellung ausreichender Löschwassermengen, ohne welche das leistungsfähigste Löschgerät wirkungslos bleiben musste. Über drängen der Freiwilligen Feuerwehr Schrattenberg errichtete die Gemeinde je einen Behälter in der Bauergasse und bei der Johannesstatue. Bei der Anlegung eines weiteren Reservoirs in der Nähe des „Gmoabründls“ entdeckte man die Wasserspende für die künftige Ortswasserleitung und beendete damit die aufwendige Suche nach einer geeigneten Quelle hierfür.

Inzwischen war auch die Alarmierung durch Installation einer Sirene auf eine moderne Grundlage gestellt worden. Das technische Gerät wurde durch Anschaffung je einer VW Spritze samt Anhänger in den Jahren 1960 und 1972, sowie einer elektrischen Schlammpumpe erweitert. Das Problem des Mannschaftstransportes konnte durch die Schenkung eines Kleinbusses gelöst werden. Die Anschaffungen wurden bisher weitestgehend durch die Eigeninitiativen der Wehr finanziert. Der Ankauf eines Tanklöschfahrzeuge 1982 rundete schließlich die Ausstattung ab. Der Umfang des Gerätes stellte die Wehr vor die Frage der Erweiterung des Zeughauses oder des Neubaus eines solchen. Im Zusammenwirken zwischen Feuerwehr und Gemeinde wurde unter tatkräftiger Mithilfe der arbeitsfähigen Bürger die zweite Variante verwirklicht. Die Wehr hatte damit eine ihrem Bedarf entsprechende Unterkunft und verfügte durch den in Eigenleistung ausgebauten Rathauskeller über ein attraktives Veranstaltungslokal.

Die Freiwillige Feuerwehr Schrattenberg gilt seit der Neuregelung des Feuerwehrwesens in den 70er Jahren nicht mehr als Verein, sondern als Körperschaft des öffentlichen Rechts. Die Freiwillige Feuerwehr unterscheidet sich von einem Verein in einem ganz wesentlichen Punkt: Die Aufgaben einer Feuerwehr sind gesetzlich geregelt! Grundsätzlich ist die Gemeinde für die Feuer- und Gefahrenpolizei zuständig und diese bedient sich dem Hilfsmittel der Feuerwehr.

Im Jahr 1994 begann mit der Anschaffung des Kleinlöschfahrzeuges KLF, einem VW LT, die Umstellung auf den heutigen Fuhrpark der Freiwilligen Feuerwehr Schrattenberg. 2004 wurde dieser um einen VW T3 erweitert, der als Mannschaftstransportfahrzeug dient. Mit dem Kauf des Rüstlöschfahrzeuges im Jahr 2006 war der heutige Fuhrpark schließlich komplett.

Ein Meilenstein der Freiwilligen Feuerwehr Schrattenberg war der 10. November 2007. An diesem Tag wurde mit Frau Leopoldine Mayer die erste Frau in die Wehr aufgenommen. War es bis vor einigen Jahren noch unvorstellbar Frauen in die Freiwillige Feuerwehr aufzunehmen, ist es heute Gott sei Dank ganz normal und unsere aktuell 11 Feuerwehrfrauen bekleiden die verschiedensten Funktionen.

Da das Feuerwehrhaus nach rund 3 Jahrzehnten in die Jahre gekommen war und die Heizung zu streiken begann, entschied man sich 2015 das Feuerwehrhaus zu renovieren. Es wurde der Schulungsraum erweitert und der Kommandoraum in die ehemalige Küche verlegt. Im ehemaligen Kommandoraum bekamen die Frauen eine Umkleide mit Dusche und das Herrenbad wurde ebenfalls neu gemacht.

Die alte Ölheizung wurde durch eine moderne Pelletheizung ersetzt und da das Feuerwehhaus wärmedämmtechnisch nicht mehr der Zeit entsprach wurde der Dachboden über dem Schulungsraum gedämmt und die Fenster, Türen und die Einfahrtstore getauscht.

Die Arbeiten wurden zum größten Teil von den Feuerwehrmitgliedern durchgeführt und die Gemeinde Schrattenberg unterstützte den Umbau großzügig mit finanziellen Mitteln.

Anlässlich des 130 Bestandsjubliläums im vorigen Jahr wurde die Fahne restauriert. Eine Fahne zählt zu den kostbarsten und ausdrucksvollsten Abzeichen einer Feuerwehr. Die Fahne steht für Zusammengehörigkeit, Kameradschaft und ist ein Zeichen des Vertrauens in den Schutz des Feuerwehrpatrons, dem „Heiligen Florian“.

Da die Fahne aus dem Jahr 1932 stammt, verlor sie mit der Zeit ihren „Glanz“. Im Mittelpunkt stand das Motiv, welches auf die Fahne gestickt werden sollte. Es war der Freiwilligen Feuerwehr Schrattenberg sehr wichtig das originale Motiv, mit dem Heiligen Florian, dem Schutzpatron der Feuerwehr und dem Leitspruch der Feuerwehr „Gott zu Ehr´, dem nächsten zu Wehr´“, zu erhalten. Deshalb wurde der Fahnenstoff von einem Restaurator in aufwändiger Handarbeit aufgearbeitet.

In diesem Jahr richtet die Freiwillige Feuerwehr Schrattenberg den Abschnittfeuerwehrtag und die Abschnittsfeuerwehrwettkämpfe aus.